Wer könnte es besser in Worte fassen, als unser lieber Bläserfreund Dr. Erich Graf.

Hier seine Rede beim Schüsseltreiben, anlässlich unserer Ansitzdrückjagd bei Ursel und Jürgen Stein.

Von Allen herzlichen Dank für einen wunderschönen Jagdtag.

 

Liebe Jagdfreunde,
ich denke, auch nach der Dankesrede des Jagdkönigs verträgt dieser Tag noch eine weitere, zusätzliche Würdigung.
Das Wetter hätte wirklich nicht schöner sein können. Als ich heute morgen, den Weisungen entsprechend, den Weg zu meinem Stand ging und dann nach Fähnchen links und Fähnchen rechts meinen komfortablen Scherensitz bestieg, mit Armlehnen und Dach hatte ich einen majestätischen Buchenwald vor mir. Es waren wohl auch noch einige nahe Äste frisch geschnitten worden, um ausreichendes Sicht- und Schussfeld zu garantieren. So konnte ich mich mit Blick auf den sonnendurchfluteten Wald völlig entspannt der - meinem Alter entsprechenden Jagdpassion - hingeben. Aufgeschreckt wurde ich durch drei wild, von hinten an mir, vorbei tobenden Rehen: Ricke mit zwei Kitzen, die voller Lebensdrang, nicht die geringste Lust hatten, sich von mir erschießen zu lassen und auch ganz schnell weg waren.
Ich genoss also weiter und wieder die beruhigende Szenerie. Aber da schoss mir plötzlich die reale, die große Weltsituation durch den Kopf und ich wunderte mich, dass hier trotz Trump, Erdogan, Assad, Putin und wie sie alle heißen und trotz dessen, was sie alles anrichten, hier die Bäume noch so fest und gerade stehen und die Sonne eindringt und das dürre Laub zum Leuchten bringt.
Und auch am Nachmittag ähnliche Situation: die Sonne von der anderen Seite durch den herrlichen Buchenwald. Und dann tauchten wieder Rehe auf, darunter sogar zwei offensichtlich „erlegungsbereite“, die es aber noch etwas spannend machten, da sie - auch nicht nahe genug - hinter den Bäumen immer wieder ihre Rollen tauschten und man nicht wusste, wo Ricke und wo Kitz ist, und ob es wirklich ein weibliches Kitz ist. Als aber dann schließlich der Schuss gefallen war und ich mir sicher war, dass das Stück liegt, befiel mich der Eindruck, dass hier in diesem begrenzten Teil der Welt „die Welt noch stimmt“. Dass hier keine Sprüchemacher zusammen sind, die sich mit Lügen und Tricks durch unser - wie heisst es jetzt mit dem gestern gekürten Wort des Jahres - „postfaktisches“ Zeitalter schwindeln wollen. 
Hier sind Leute zusammen, die Faktisches kennen, die wissen, was ist, was zu tun ist, ihre Arbeit machen, und die uns spüren lassen, dass sie Freude daran haben, uns so einen Tag zu bescheren. Das fängt natürlich an bei der obersten Heeresführung, bei Jürgen und Ursel Stein und geht über die Rempes und die anderen Helfer, über die Treiber und Hundeführer und endet bei uns dem einfachen Jägervolk. Das müssen wir uns bewusst machen, das sollten wir würdigen und uns dafür bedanken. Danke!
 (Dr. Erich Graf, 10.12.2016)

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